Kreuzbandriss beim Hund

Die Kreuzbänder sind für die Stabilität der Hintergliedmaße bei Hunden von großer Bedeutung. Die Zerreißung des vorderen Kreuzbandes ist die häufigste Bandruptur des Hundes. Hunde belasten das vordere Kreuzband durch den gegebenen Neigungswinkel und die hohen Zugkräfte mehr als das hintere, weshalb eine Zerreißung des hinteren Kreuzbandrisses relativ selten ist.

Kreuzbandriss beim Hund
Kreuzbandrisse verändern das Gangbild erkennbar

Häufig wird bei einem vorderen Kreuzbandriss auch der Meniskus mit beschädigt.

Die meisten Kreuzbandrisse entstehen bei alltäglichen Situationen, wie beim Spielen mit anderen Hunden, wenn er in ein Loch tritt oder bei zu wildem Ballspielen. Die Bänder des Hundes sind in diesen Fällen in der Regel bereits durch wiederholte Überbeanspruchung vorgeschädigt.

Die Behandlung eines Kreuzbandrisses bei Hunden kann entweder chirurgisch, durch Operationstechniken wie TPLO und TTA, oder konservativ, mittels Schonung und Physiotherapie, erfolgen. Die Wahl der Methode hängt von der Schwere der Verletzung und den individuellen Umständen des Hundes ab. Eine schnelle Behandlung verbessert die Prognose signifikant, wobei die Heilungsdauer je nach Behandlungsmethode bis zu vier Monate betragen kann. Eine adäquate Pflege und Therapie sind entscheidend für die erfolgreiche Genesung und die Wiederherstellung der Mobilität des Hundes.

Mögliche Ursachen

Die Ursachen für einen Kreuzbandriss sind bis heute nicht eindeutig geklärt. Die Mehrheit aller Hunde fügen sich diesen durch traumatische Einwirkung zu (z.B. Hängenbleiben der Pfote im vollen Lauf). Zudem können degenerative Erkrankungen und Durchblutungsstörungen des vorderen Kreuzbandes ursächlich sein.

  • Alterungsprozesse: Ältere Hunde sind anfälliger für Kreuzbandrisse aufgrund von degenerativen Veränderungen in den Gelenken.
  • Übergewicht & große Rassen: Übergewichtige Hunde haben ein höheres Risiko, da das zusätzliche Gewicht auf die Gelenke drückt und sie schwächt. Gleiches gilt für große Rassen: ein Kreuzbandriss ist umso wahrscheinlicher, je schwerer der Hund ist.
  • Ständige Überbelastungen: Werden die Kniegelenke durch mangelnde oder übermäßige Bewegung ungleichmäßig oder falsch belastet, entstehen nach und nach kleine (An-)Risse in den Kreuzbändern.
  • Vorerkrankungen / Fehlstellungen: Eine Entzündung im Kniegelenk oder angeborene Fehlstellungen (z.B. Patellaluxationen) erhöhen das Risiko für einen Kreuzbandriss beim Hund.
  • Genetik: Einige Rassen haben aufgrund ihrer genetischen Veranlagung ein erhöhtes Risiko für Kreuzbandrisse.
  • Plötzliches Trauma: Ein plötzlicher Ruck oder eine abrupte Bewegung kann das Kreuzband belasten und zu einem Riss führen.

Symptome eines Kreuzbandrisses beim Hund

Ein Kreuzbandriss verursacht typischerweise Schmerzen beim Hund sowie eine plötzliche Lahmheit des betroffenen Hinterbeins. Zu den weiteren Symptomen gehören:

  • Anlauflahmheit: Das Aufstehen sieht umständlich aus. Es kommt zu Anlaufschwierigkeiten – ein typisches Kennzeichen für einen Kreuzbandriss.
  • Schmerzen: Ihr Hund kann Anzeichen von Schmerzen zeigen, wie Winseln oder Knurren, wenn er versucht, das betroffene Bein zu belasten. Bei einem Kreuzbandriss durch ein Trauma schreien die Hunde im Moment des Unfalls häufig auf und lahmen danach.
  • Schwellung: Das Kniegelenk kann anschwellen und sich warm anfühlen.
  • Veränderungen in der Gangart: Ein Kreuzbandriss führt oft zu einer veränderten Gangart, wobei Ihr Hund sein Bein nicht mehr normal benutzt. Oft wirkt das Gangbild ungleichmäßig. Manche Hunde bewegen sich nur noch dreibeinig vorwärts (hochgradige Lahmheit). Darüber hinaus haben betroffene Hunde Probleme in engen Wendungen und weichen diesen aus.
  • Zehenspitzenstand: Häufig vermeiden es die Hunde, das betroffene Bein auf den Boden aufzusetzen. Das bedeutet, der Hund setzt nur noch die Zehenspitzen auf dem Boden auf. Gut zu sehen, wenn sich der Hund im Stand befindet.
  • Wegstrecken des Hinterbeins: Weil das Anwinkeln des Knies für den Hund schmerzhaft ist, sitzt er mit weg gestrecktem Bein streckt, er streckt das betroffene Bein also zur Seite oder nach vorne aus. So umgeht er die schmerzhafte Gelenkbeugung.

Diagnose

Die Diagnose eines Kreuzbandrisses beim Hund erfolgt durch einen Tierarzt / Tierärztin mithilfe verschiedener Tests: Bei dem sogenannten Schubladentest wird das betroffene Bein des Hundes ober- und unterhalb des Knies umfasst. Lassen sich nun der Ober- und Unterschenkel gegeneinander verschieben, deutet das auf einen Riss des vorderen Kreuzbandes hin. Bei diesem Test wird die Beweglichkeit des Kniegelenkes untersucht.

Bei dem Tibiakompressionstest umfasst der Tierarzt / Tierärztin den Oberschenkel des Hundes und beugt das Sprunggelenk, während das Kniegelenk gestreckt ist. Ist das vordere Kreuzband des Hundes gerissen, schiebt sich der Kopf des Schienbeins nach vorn.

Ist eine Diagnose anhand dieser Tests nicht eindeutig zu stellen, so wird zur Bestätigung der Diagnose ein zusätzliches Röntgenbild hinzugezogen.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung eines Kreuzbandrisses beim Hund kann chirurgisch oder konservativ erfolgen, abhängig von der Schwere der Verletzung und den individuellen Umständen.

Chirurgische Behandlung

Die häufigste Option ist die Operation, bei der das gerissene Kreuzband ersetzt oder repariert wird. Es gibt verschiedene chirurgische Techniken, darunter die TPLO (Tibial Plateau Leveling Osteotomy) und die TTA (Tibial Tuberosity Advancement) - die derzeit am vielversprechendsten Methoden.

Die TPLO als auch die TTA gehören zu den sogenannten »biomechanischen« Methoden. Dabei wird das gerissene Kreuzband nicht ersetzt. Durch eine Umstellung des Unterschenkels (Tibia) wird erreicht, dass das vordere Kreuzband nicht mehr nötig ist.

Bei beiden Methoden wird im Unterschenkel ein Knochenschnitt durchgeführt. Daraufhin wird der Knochen so umgestellt, dass Ober- und Unterschenkel sich nicht mehr gegeneinander verschieben, wenn der Hund sein Bein belastet.

Bei einer TPLO wird der Unterschenkel mit einer speziellen Knochenplatte (TPLO-Platte) und Schrauben stabilisiert. Beim TTA wird ebenfalls eine spezielle Platte sowie ein Abstandshalter verwendet. Die beiden Knochenenden heilen nun in der neuen Position zusammen.

Diese Operationsmethoden eignen sich besonders gut für große Hunde, bei denen Ersatzbandtechniken auf Dauer häufig nicht ausreichend stabil sind. Diese Techniken werden jedoch auch immer häufiger bei kleinen Hunden eingesetzt.

»Unabhängig von der gewählten Behandlungsoption ist eine angemessene Nachsorge wichtig. Der Hund wird Zeit brauchen, um zu heilen und wieder vollständig mobil zu sein. Das Knie sollte so wenig wie möglich belastet werden. Je nach durchgeführter Operationsmethode kann die Heilungsdauer bis zu vier Monate betragen. Physiotherapie und vorsichtige Bewegung unterstützen den Heilungsprozess.«

Tasja Schäfers

Tasja Schäfers

Hundephysiotherapeutin

Konservative Behandlung

Bei kleineren Rissen oder Hunden, die aus gesundheitlichen Gründen keine Operation durchlaufen können, kann eine konservative Behandlung, wie Schonung des Gelenks, Medikamente und Physiotherapie in Erwägung gezogen werden. Dies kann die Genesung und Stärkung des betroffenen Beins unterstützen. Die konservative Behandlung wird von Tierärzten in der Regel aber nicht empfohlen, da nicht operierte Kreuzbandrisse zu weiteren Schäden im Gelenk, Knorpelschäden und Arthrose führen.

Prognose

Ein Kreuzbandriss beim Hund ist eine ernsthafte Verletzung, die sofortige Aufmerksamkeit erfordert. Je früher die Behandlung eingeleitet wird, desto besser sind die Chancen auf eine erfolgreiche Genesung, denn je länger ein Kreuzbandriss unbehandelt bleibt, desto größere Schäden entstehen im Kniegelenk sowie den umliegenden Strukturen. Achten Sie auf die Symptome und suchen Sie umgehend tierärztliche Hilfe, wenn Sie vermuten, dass Ihr Hund betroffen sein könnte. Mit der richtigen Behandlung und Pflege kann Ihr Hund wieder ein glückliches und aktives Leben führen.